3 Wochen Farmarbeit am Hardangerfjord

3 Wochen Farmarbeit am Hardangerfjord

3 Wochen Farmarbeit am Hardangerfjord

3 Wochen Farmarbeit am Hardangerfjord

Hardangerbrua

Auf dem Weg zu unserem nächsten Abenteuer mussten wir die neue und bekannte Hardangerbrücke überqueren. Mit 1,38km Länge und 55m Höhe ragt sie über den Hardangerfjord. Für Fußgänger, wie uns, ist der Zugang zur Brücke besonders spannend. Von einem Aussichtspunkt, an den wir wieder viele Touristen angetroffen haben, die uns mit großer Interesse musterten (manchmal fühlt es sich so an, als wären wir von einer besonderen Spezies, die es nur selten zu sehen gibt), geht es in einen Tunnel. Dieser wird sogar mit bunten Regenbogenfarben beleuchtet. Die Norweger lassen sich wirklich viel einfallen. Überrascht wurden wir, als unser Tunnel plötzlich in den Autotunnel mündete und die Autos an uns vorbei rasten. Das haben wir vorher noch nie erlebt: wandern durch einen Autotunnel 😀 Natürlich war es sehr laut und so waren wir froh die Brücke zu erreichen. Es war beeindruckend darüber zu laufen, vor allem bei der Vorstellung, dass unter uns die großen Kreuzfahrtschiffe nach Eidfjord fahren. Einige dieser Schiffe sollten wir in den nächsten Wochen morgens in den Fjord einlaufen sehen.

Neue Familie - neue Erfahrungen

Wir wurden von der norwegischen Familie sehr nett aufgenommen und übten uns nun im Englisch sprechen. Dabei merkten wir, dass es noch viel zu lernen und wiederholen gibt. Aber "Übung macht den Meister". So durften wir in den 3 Wochen schon Fortschritte feststellen.

Die Umstellung nun nicht mehr zu wandern und bei einer Familie mitzuarbeiten war deutlich bemerkbar. Wir haben die Gemeinschaft mit der Familie, die Vorteile eines Kühlschranks, Bettes und einer Dusche genossen. Gleichzeitig sind wir in Gedanken immer noch gerne auf unseren Wandertouren in der Wildnis Norwegens unterwegs. Besonders haben wir wieder schätzen gelernt diese Erfahrungen auf der Farm gemeinsam machen zu dürfen. Egal wo wir sind, da wir uns haben, ist immer ein Stück "Zuhause" dabei.

Die Familie besitzt ein relativ großes Grundstück mit Blick auf den Hardangerfjord. Primär werden dort Pflaumen angebaut. Kirschbäume gibt es auch, die während unsere Zeit dort voller Früchte hingen. Das war für uns immer das Highlight des Tages - Kirschen naschen.

Holzfälleraufgaben

Auf dem Hof gab es viel zu tun. So begannen wir damit große Äste, die letztes Jahr von den Obstbäumen geschnitten wurden auf Haufen zu sammeln. Diese wurden dann von einem Traktor zu einem noch größeren Haufen gebracht, der irgendwann angezündet wird. Als nächstes galt es eine Fläche mit ca. 20 Pflaumenbäumen zu bereinigen. Jonathan fällte mit der Kettensäge die Bäume und ich sammelte die Äste auf großen Haufen. Es war anstrengend, aber hat Spaß gemacht, da das Ergebnis unserer Hände direkt sichtbar war. An diesem Tag ist sogar Jonathan den Traktor gefahren. Er hat die großen Ästehaufen und gefällten Baumstämme zu den großen Sammelplätzen gebracht. Das war ein spannendes Erlebnis so eine große und gleichzeitig alte Maschine zu betätigen.

An einem anderen Tag kümmerten wir uns ums Feuerholz. Jonathan arbeitete abwechselnd mit der Motor- und der Kettensäge. Ich sortierte und stapelte sämtliches geschnittenes Feuerholz in der Scheune.

Arbeiten im und am Haus

Neben den Holzaktivitäten gab es auch im Haus einige Aufgaben. So mussten im 1.Stock 3 Fenster abmontiert und restauriert werden. Das Abmontieren war relativ schwer und abenteurlich. Hilfe bekamen wir von einem Nachbarsfreund, der vom Dach aus die Fenster mit einem Seil sicherte. So konnten wir dann die Fenster aus den Vorrichtungen lösen und anschließend ins Zimmer legen. Die Aktion war echt abenteuerlich und wir waren froh und dankbar, dass unser Nachbarsfreund behütet und gesund wieder vom Dach herunter kam. Für die Restauration der Fenster musste der alte Kitt gelöst und die Farbe abgeschmirgelt werden. Anschließend wurde das Holz mit Öl gepflegt, neuer Kitt und neue Farbe aufgetragen. Wir haben einiges dazu gelernt und reflektieren bei der Arbeit, was wir genauso machen würden und was wir anders machen würden.

Fruit picking

Eine entspannte und (Magen-)erfreuliche Abwechslung stellte das Fruit Picking da. Zu ernten gab es riesige Himbeeren, die total üppig in 5 langen Reihen Früchte trugen. Beim Ernten hatten wir eine wunderschöne Aussicht auf den Hardangerfjord. Wir sammelten zahlreiche Schälchen und einige der leckeren Früchte landeten im Magen 😀 An einem anderen Tag stand die Heidelbeer-Ernte an. Während dem Sammeln haben sich die Laufenten angeschlichen und angefangen "mit zu ernten". Die haben wir dann schnell verscheucht, worüber sie sich lauthals beschwerten.

Unsere eigene Cabin

Während der 3 Wochen arbeiteten wir die letzte Woche für die Nachbarsfarm. Wohnen durften wir in einer kleinen Holzhütte im Wald. Es war sehr gemütlich und wir genossen die Zweisamkeit. Zwar musste die Wohnung erstmal von Mäusekot befreit werden und an einem Nachmittag rannte eine Maus über die Küchenzeile, aber es war schön dort. Die Einrichtung war sehr alt. Es hätte eine Wohnung sein können, in denen unsere Großeltern als Kinder gespielt haben. Vergilbte Zeitungen aus dem Jahr 1950, ein altes Spinnrad, alte Wandbilder und alte Holzöfen, die in jedem Zimmer zu finden waren, schmückten die Räume. Fließendes Wasser und Strom aus der Steckdose waren verfügbar. Die Lampen funktionierten allerdings nicht. Wenn es also draußen dunkel würde, war auch für uns Schlafenszeit angesagt. Abends sammelten wir uns wilde Himbeeren, Brombeeren, Johannisbeeren und Kirschen. Am Morgen gab es dann das beste Früchtemüsli seit Langem. So viel Obst und Beeren würden wir uns nicht einmal in Deutschland leisten. Ein Grund mehr für uns, später eigenes Obst anzubauen.

Der Wald brennt

An einem Nachmittag kam der Nachbarsjunge außer Atem zu unserer Hütte hoch. "Es brennt! Oben im Wald!". In ca 1,5km Entfernung brennte ein Stück Wald. Jonathan hatte vorhin schon etwas gerochen, sich aber nichts dabei gedacht. Er wurde gebeten mit der Drohne hoch zu fliegen, um zu schauen wie groß das Feuer sei. Da die Feuerwehr noch nicht da war, schickte Jonathan die Drohne hoch. Der Wind war sehr stark und breitete das Feuer weiter aus. Die Drohnenaufnahmen dienten später der Polizei und Feuerwehr als Hilfsmittel zur Einschätzung der Lage. Den ganzen Nachmittag und Abend flog der Hubschrauber und löschte mit 90.000 l Wasser das Feuer. Es musste niemand evakuiert werden.

Bootsfahrt auf dem Hardangerfjord

Ein besonderes Highlight war unsere Bootsfahrt auf dem Hardangerfjord. Wir bekamen das Boot kostenlos von Freunden ausgeliehen und schipperten los. Die Sonne brannte und das Wasser spritzte erfrischend gegen unsere Beine. Wir hatten den Eindruck in Kroatien Urlaub zu machen. Einzig die riesigen Fjordberge erinnerten uns daran, dass dies Norwegen ist. Ganz besondere Meerestiere halten sich im Hardangerfjord auf: Mittelgroße Delphine. Von Land aus haben wir fast nur die Finne gesehen. Aber dank der Drohne kamen wir gefühlt so nah heran an die Tiere, dass die Aufnahmen uns stark an die Karibik erinnerten. Aber nein, wir sind immer noch in Norwegen.

Neue Freundschaften

Da einige Familien in dieser Umgebung der gemeinsame Glaube an den Schöpfergott eint, haben wir dort kleine Hausgottesdienste miterlebt. Es war sehr spannend und bereichernd. Eine Familie aus der Nachbarschaft ist uns sehr ans Herz gewachsen. Ihre Gastfreundschaft und Großzügigkeit hat uns schwer beeindruckt. In den 3 Wochen haben wir viele wertvolle Stunden miteinander verbracht und sind dankbar für diese entstandene Freundschaft.

Was haben wir mitgenommen?

Was wir mitgenommen haben? Also wir wurden von unseren Freunden großzügig mit Nüssen, Müsli, Trockenfrüchten, Risotto und Olivenöl für unsere nächste Wanderung eingedeckt. Das war eine liebe Überraschung. Aber neben diesen Dingen haben wir viele Erfahrungen gesammelt und einiges dazu gelernt -  fachlich, wie mitmenschlich. Was das Arbeiten angeht, ist es überall sehr ähnlich. Harte Arbeit und Stress sind auch hier Bestandteile im Alltag. Worauf es ankommt ist die innere Einstellung, die Zufriedenheit, die innere Freude und die Dankbarkeit.

Nun freuen wir uns wieder auf unser Zelt und Zweisamkeit.

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