Reise ins Nirgendwo

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25.Woche

Reise ins Nirgendwo

Unser nächstes Ziel: Wakatobi

Indonesien ist wirklich ein beeindruckendes Land. 17.508 Inseln, drei verschiedene Zeitzonen, dem artenreichsten Regenwald weltweit und soo viel zu entdecken. Die Vielfalt an Land und unter Wasser ist enorm. Am liebsten würden wir mehr Zeit in diesem „Land“ verbringen, aber die Regenzeit ist langsam am kommen. Nach unseren Recherchen sollte das Inselgebiet Wakatobi aber noch davon verschont sein. Daher sollte dies unser nächstes Ziel sein. Wakatobi besteht aus vier kleinen Inseln in der Nähe von Sulawesi: Wangi-Wangi – Tomia – Kaledupa – Binongko. Die Anfangsbuchstaben der kleinen Inseln formen den wohl klingenden Namen Wakatobi.

Mit dem Zug nach Surabaya

Um nun die Inseln im Nirgendwo zu erreichen, startete unsere Reise mit dem Zug von Yogyakarta nach Surabaya. Es ist wirklich erstaunlich, wie gut organisiert das abläuft. Das Ticket wird vorher gekauft. Um das Gleis betreten zu können, mussten wir durch einen „Check-in“. Hier wurden Ticket und Reisepass kontrolliert. Somit wird das Risiko auf Schwarzfahrer enorm reduziert. Außerdem gibt es keine gestressten Schaffner an Bord. Für jeden gab es reservierte Plätze und niemand musste stehen.

Surabaya – schnell weg von hier

Surabaya zählt zu den typischen Großstädten Indonesien’s. Unter Touristen ist diese Stadt vor allem aufgrund ihrer Nähe zum Vulkan Bromo und Mount Ijen beliebt. Letzerer ist bekannt für sein blaues Feuer in der Nacht. Hätten wir mehr Zeit gehabt, wären diese zwei Naturgewalten für uns sicherlich ein Reiseziel wert gewesen. Aber unser Flug nach Wakatobi war bereits gebucht. Unsere Unterkunft lag in der Nähe vom Flughafen und damit mehr in einem Vorort. Auf der Suche nach Mittagessen trafen wir auf seltsame Gestalten. Das war das erste Mal in Asien, dass wir wirklich das Gefühl hatten „hier sollten wir uns nicht lange aufhalten“. Nachdem wir Essen bekommen haben und uns in einem Minimarkt mit einer Wassermelone zum Abendessen eindeckten, ging es schnell wieder nachhause.

Weiterflug mit Lion Air

Am nächsten Morgen startete unser Weiterflug nach Kendari. Beunruhigend war die Tatsache, dass wir mit der Airline flogen, die in der letzten Woche einen Flugzeugabsturz mit 0 Überlebenden verzeichnen musste. Am Flughafen angekommen stellten wir fest, dass sich die Flugnummer geändert hat – die Maschine wurde (hoffentlich zum Guten) ausgetauscht. Wir gaben unser Gepäck auf und genossen danach unser Frühstück: Reis mit Tofu, Tempeh und Gemüse. Das Tempeh in Indonesien ist einfach unglaublich lecker.

Über Makassar nach Kendari

Wir rechneten damit ca. vier Stunden in der Luft zu sein. Um so überraschender war es, als nach ca. einer Stunde Flugzeit die Landung eingeleitet wurde. Stimmte etwas nicht mit dem Flugzeug? Aber dafür schienen alle an Bord viel zu entspannt. Wir hatten ganz einfach übersehen, dass wir in Makassar einen Zwischenstopp haben und über den Transit-Bereich zum nächsten Flugzeug gelangen sollten. Und das im Highspeed, denn die Maschine wartete schon. So wurden wir durch sämtliche Gates hindurchgewunken, um unseren Flieger rechtzeitig zu erreichen. Schließlich kamen wir in Kendari an und waren froh, dass wir bisher wohl behütet wurden. In Kendari erlebten wir wieder die indonesische Gelassenheit: Unser Weiterflug nach Wangi-Wangi hatte fast zwei Stunden Verspätung. Aber alle waren gut gelaunt und entspannt. Wie als wäre das eigentliche Abflugzeit. Gute Einstellung!

Weiter gehts mit Propeller

Der Flughafen Matahora auf Wangi-Wangi wird nur von einer mittelgroßen Propellermaschine angefahren. Für Anne war es das erste mal, mit so einer Maschine zu fliegen. Das war toll. Wir waren mal wieder die einzigen Touristen und damit in dem kleinen Flugzeug sehr auffällig. Von nun an würden wir seeeehr häufig die Worte „Hello Mistaaaar“ hören. Und damit ist nicht nur Jonathan angesprochen. Manche, die bisschen mehr englisch können, sagen dann noch „Missis“. Die Einheimischen schienen sich auf jeden Fall zu freuen, zwei große Weiße mit an Bord zu haben.

„Welcome to Wakatobi“

Die Propellermaschine startete und schon bald lag unter uns blaues Wasser. Die Sonne stand bereits tiefer und verzauberte alles in warme, kräftige Farben. Wir fragten eine Stewardess, ob wir während dem Flug filmen dürften. Kein Problem! Sogar beim Landen durfte die Kamera anbleiben. Die Aussicht war toll und wir freuten uns auf die Zeit in Wakatobi – irgendwo im Nirgendwo.

Ankunft auf Wangi-Wangi

Nach dem wir das kleine Flughafengäude auf Wangi-Wangi verlassen haben, wurden wir das erste mal in Asien von keinen hungrig-wartenden Taxifahrern überfallen. An sich war das sehr angenehm. Allerdings gibt es hier auf der Insel auch einfach keine Taxen, genauso wenig wie GrabCar. Normalerweise kommt man mit einem Motorrad von A nach B. Und wenn man gerade keins hat, dann ruft man einfach „Ojek“. Schließlich wird man dann von einem anderen Motorradfahrer gegen Bezahlung mitgenommen.

Unterkunftssuche

Das mit den Unterkünften ist auf Wakatobi auch so eine Sache. Einige Unterkünfte lassen sich zwar übers Internet buchen, doch gerade die günstigen Homestays haben entweder nur eine Telefonnummer angegeben oder sind nur vor Ort zu finden. Wir probierten es bei der ersten Unterkunft, die allerdings keinen freien Raum mehr hatte. Die nächste war auch voll. Also liefen wir paar Straßen weiter und fanden schließlich eine Bleibe. Wir lernen den Wert eines Bettes und eines Dachs über dem Kopf hier nochmal neu zu schätzen.

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Weiterfahrt nach Tomia

Doch Wangi-Wangi war nicht unser eigentliches Ziel. Wir wollten zwei Inseln weiter, auf die Insel Tomia. Zum Schnorcheln und Tauchen sollte dies der schönste Ort Wakatobis sein. Das Boot sollte um 9Uhr am Hafen ablegen. Nachdem wir den Hafen erst zu Fuß suchten und anschließend auf zwei Ojeks aufstiegen, erreichten wir überpünktlich das Boot, bzw. den Holzkahn. Das Holz verrottete bereits an einzelnen Stellen und der Lack blätterte stark ab. Aber es schien im Wasser zu schwimmen. Als wir an Bord gingen merkten wir schnell, dass der Passagierraum perfekt an die Körpergröße der Indonesier angepasst war. Kopfstoßen und gekrümmtes Laufen waren somit für uns vorprogammiert.

Bootsfahrt im Liegen

Auf einem Luxusdampfer liegt man in Liegestühlen. Auf einem indonesischen „Regular Boat“, liegt man auf einfachen Matratzen. Hier ist das Liegen deutlich günstiger, wenn auch vielleicht nicht ganz so komfortabel. Wir machten es uns auf zwei Matratzen bequem und fixierten unsere Rucksäcke. Der Innenraum vom Boot gestaltete sich folgendermaßen: vom Bug ausgehend gab es Platz zum Transport einiger Waren, wie z.B. einem Motorrad, oder Kühlschränken. Danach kommen links und rechts ca. 30 Liegemöglichkeiten, die wie Hochbetten strukturiert sind. Wir lagen oben und hatten somit eine Art Fenster. Man könnte es aber auch „großes Loch in der Holzwand“ nennen. Danach ging es runter in dem Motorraum, der auf dieser Fahrt noch häufiger besucht werden sollte. Am Heck gab es sogar eine kleine Toilette. Auf dem Dach wurden weitere Waren befestigt, wie Eier, Fließen und Trinkwasser. Das Boot war ziemlich stark beladen und die Matratzen waren voll besetzt. Etwas tiefer gelegen verließ das Boot den Hafen.

Regenschauer und Naviprobleme

Nach einiger Zeit steckten wir in grauen Wolken und es fing an zu regnen. Am Anfang nur wenig, doch es wurde immer stärker. Wir versuchten unsere Holzfenster mit den dafür vorgesehenen Holzbrettern zu verschließen. Doch waren diese zum Teil verzogen, sodass es nur ein kleinen Regenschutz gewährleistete. Zusätzlich tropfte es irgendwann von oben. Mit Liegen war es nun vorbei. Wir setzten uns an den Fußrand, wo wir am wenigsten vom Regen abbekamen. Mit Zunahme des Regens verschlechterte sich auch die Sicht. Anscheinend gab es Navigationsprobleme, da nun ein paar Einheimische umher liefen und eine Seekarten-App auf dem Handy offen hatten. Nur so konnten sie feststellen, wo sich die verschiedenen Riffe befinden und diese dann umfahren.

Motorprobleme

Schon seit das Boot am Hafen abgelegt hat, schien es häufiger Motorprobleme zu geben. Ein Matrose ging vermehrt mit Schwimmbrille von Bord und kam dann total nass wieder aufs Schiff. Dann verschwanden einige Männer im Maschinenraum. Plastiktüten wurden gebracht. Irgendetwas schien nicht zu funktionieren. Das bestätigte sich, als das Boot mehrmals zum Erliegen kam. Nun wurden wir von den sanften Wellen hin und her getrieben. Schließlich startete die Mannschaft einen Benzin-Generator, um die Elektrizität aufrecht zu erhalten. So konnten die Männer nun mit Licht das Maschinenproblem untersuchen. Gleichzeitig war die Elektrizität für die Steuerung des Bootes und die Pumpen wichtig. Die Luft bestand nun aus den „gesunden“ Abgasen des Generators, gepaart mit dem „Duft“ der ständig qualmenden Zigaretten der einheimischen Männer.

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Boat-hopping

Doch der Motor wollte nicht mehr richtig funktionieren. Es wurde viel Zeit und Mühe investiert, damit es wieder geht. Der eine Matrose ging noch sehr häufig schwimmen. Uns schienen ihre Bemühungen etwas sinnlos und zeitverschwenderisch, aber wir beobachteten das ganze Treiben geduldig von unseren nassen Matratzen aus. So kam es schließlich, wie wir es schon vermutet hatten: Wir mussten das Boot wechseln. 3 Stunden waren wir nun auf dem Kahn unterwegs und immer noch in der Nähe der Insel, von der wir gestartet sind. Naja, es heißt ja auch, dass die Überfahrt von Wangi-Wangi nach Tomia 4-6 Stunden dauern kann. So stiegen wir nun durch eins dieser größeren Holzfenster auf das nächste Boot. Kopfstoßen war wieder vorprogrammiert. Hinzu kam, dass die Einheimischen im neuen Boot in dem Gang stehen blieben und wir mit unseren großen Rucksäcken kaum vorbei kamen. 😀

Ankunft auf Tomia

Nach zwei weiteren Motorpannen auf dem neuen Boot, erreichten wir nach 7 Stunden die Insel Tomia. Wir waren froh, dass es am Ende doch noch geklappt hat. Müde und hungrig verließen wir das Boot. Die Einheimischen waren nun mit dem Abladen der ganzen Waren beschäftigt. Nach drei Minuten Fußmarsch erreichten wir unsere Unterkunft. Praktisch, dass diese direkt am Hafen lag. Unsere komplette Zeit auf Tomia hausten wir im „LaboreStay“, der Unterkunft von Fahmi und seiner lieben Familie. Zahlreiche gute Gespräche, wertvolle Reisetipps und ein gemütliches Zimmer machten unseren Aufenthalt dort zu einer unvergesslichen Zeit.

Folgende Videos ergänzen den Beitrag:

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