reise einfach und lebe Unterwegs auf dem Queen's Trail

Unterwegs auf dem Queen’s Trail

reise einfach und lebe Unterwegs auf dem Queen's Trail

8. Woche in Norwegen

Unterwegs auf dem Queen's Trail

Schockierender Einkauf

Unser Tag begann sehr schön mit Erwachen unter freiem Himmel. Heute hatten wir einiges vor. Unter anderem mussten unsere Essensvorräte aufgefüllt werden. Also wanderten wir wieder nach Eidfjord rein, um in dem Supermarkt Coopmarked einzukaufen. Das war alles andere als ein Vergnügen. Die geringe Auswahl und vor allem die Preise ließen uns beinah rückwärts wieder aus dem Laden fallen. Identische Produkte, die wir bereits schon beim Kiwi Supermarkt relativ günstig gekauft haben, kosteten nun mind. das Doppelte. Daher kauften wir nur das allernötigste ein. Die Rechnung machte uns trotzdem unzufrieden. Diese Supermarkt Kette werden wir in Zukunft meiden.

Von Eidfjord nach Kinsarvik

Nach unserem schockierenden Einkauf ging es mit dem Bus nach Kinsarvik. Die norwegischen Busfahrer brauchen wirklich viel Geduld und starke Nerven. Häufig verstopfen Touristen mit ihren riesigen Wohnmobilen die schmalen Straßen. Wenn dann nicht vorausschauend gefahren wird, dauert es seine Zeit bis sich der große Bus einen Weg durch die schmalen Lücken gebahnt hat. In Kinsarvik angekommen, kauften wir die restlichen Lebensmittel im Spar Supermarkt ein. Hier war die Auswahl sowie der Preis wieder akzeptabler. Nach den 3 Wochen im Hardangervidda gönnten wir uns nun eine Wassermelone. Für jeden gab es eine Hälfte, die jeder mit dem Löffel auslöffelte. Das war ein Genuss 😀

Von 0 auf 1.000m

Wir packten unsere Rucksäcke und der Aufstieg begann. Für diese Tour haben wir eine Woche geplant. Von der eingepackten Essensmenge erinnert es uns eher an die 3 Wochen im Hardanger. Diesmal sollten wir also unseren Hunger gut stillen können. Da es sehr steil hoch ging, kamen wir mit unseren Rucksäcken nur sehr langsam voran. Dafür konnten wir die immer atemberaubender werdende Aussicht auf den Hardangerfjord genießen. Je höher wir kamen, umso weiter wurde der Horizont. Gewaltige Bergmassive ragten in die Höhe und in der Ferne zeigten sich die unterschiedlichsten Felsformationen. Manche Berge sehen aus wie riesige Krokodile, die mit der Schnauze im Wasser liegen. Blauer Himmel und Sonnenschein begleiten uns. Gleichzeitig wird das Wasser in unseren Flaschen immer weniger. Die eingezeichneten Wasserquellen, an denen wir bisher vorbei gelaufen sind, sind alle ausgetrocknet. Kein Wunder - bei dieser Hitze! Auf ungefähr 900m stehen wir an einer steil abfallenden Klippe. Es kribbelt im Bauch bei dem Wissen, wie tief es neben uns herunter geht. Die Aussicht ist fesselnd und versetzt uns in tiefes Staunen. Wie wunderbar alles geschaffen ist.

Mal wieder auf Wassersuche

So langsam befinden wir uns auf der Hochebene und die enorme Steigung wird weniger. Am Nachmittag erreichen wir einen kleinen See. Als erstes kochen wir die bisher noch rohen Eier und sind froh, dass sie alle im Rucksack heil geblieben sind. Wir machen eine längere Mittagspause und füllen unsere Flaschen an dem See auf. Es kam allerdings nicht dazu, dass wir dieses Wasser tranken. Ein paar norwegische Wanderer testeten die Wassertemperatur mit der Hand und entschieden sich dann weiterzuziehen, da es zu warm zum Trinken war. Als Einheimische werden sie das sicher gut abschätzen können. Also ging die Suche auch für uns weiter.

Zelten mit fantastischer Fjordaussicht

Am Abend entdeckten wir dann einen kleinen Bach, der mit kaltem Quellwasser direkt aus einer Felsansammlung kam. Das war gutes Trinkwasser. Wir waren sehr dankbar. Unsere Dankbarkeit stieg als wir die Gegend erkundschafteten und dabei den wohl beeindruckensten Zeltplatz entdeckten, den wir bisher hatten. Direkt an einer Felskante mit einem atemberaubenden Ausblick auf die Fjordlandschaft des Hardangers: Große, massive Bergketten, die sich steil abfallend im Meerwasser versenken, kleine Boote, die auf dem Wasser hin und her tuckern (und wahrscheinlich um einiges größer waren, als wir dachten) und der weite Ausblick in die Ferne. Wir konnten uns nicht satt sehen. Am Abend gab es Weißbrot mit Erdnussbutter, Honig und Knoblauch, was bei dieser Aussicht ganz besonders schmeckte. Möge uns dieses Essen von nun an immer an diesen Ort erinnern.

Wir blieben 2 Nächte an diesem faszinierenden Ort, für den wir noch nicht einmal Geld zahlen müssen. Erneut sind wir glücklich diese Form des freien und unabhängigen Reisens gewählt zu haben.

Über den Wolken...

Als wir am nächsten Morgen erwachten, bedeckte eine weiße Wolkendecke das Fjordtal. Wie eine weiche Riesenmatratze, waren die Wolken in allen Tälern um uns herum ausgebreitet. Unser erstes Frühstück mit Morgensonne über den Wolken. Wie anders plötzlich alles aussieht - Schönheit auf eine neue Art. Während wir noch frühstücken steigen die Wolken immer höher. Auf dem gegenüberliegenden Berg haben die Wolken bereits das Hochplateau erreicht. Die Sonne bestrahlt die vielen kleinen Wassertropfen und formt einen Miniregenbogen.

In den Wolken...

Während wir das Zelt abbauen und unsre Rucksäcke packen, atmen wir erstaunt salzige, feuchte Luft ein. Nun haben die Wolken auch uns erreicht. Wir haben den Eindruck in einer Salztherme zu sein, so sauber und angenehm schmeckt die Luft. Auf unserer Tour zieht es so stark zu, dass wir nur wenige Meter weit schauen können. Andere Wanderer erkennen wir erst akustisch, bevor wir sie sehen können. Es erinnert uns an morastische Nebelszenen aus dem Film Pater Brown. Unser Mittagessen nehmen wir auch in den Wolken ein. Nicht weit entfernt plätschert ein Bach, aber richtig sehen können wir ihn nicht. Nach einiger Zeit jedoch scheinen die warmen Sonnenstrahlen zu siegen. Die Wolken verdünnisieren sich - der Himmel klart auf - und wir staunen über die Aussicht, die uns vorher verwehrt war. Es ist wie, als ob Schuppen von unseren Augen fallen und wir die Dinge, die vorher nebulös erschienen nun mit einem klaren Blick erkennen können. Wie im echten Leben.

Privatsee mit Fjordaussicht

Unseren nächsten Zeltplatz haben wir an einem kleinen See. Es ist wie ein privater Swimmingpool mit Fjordaussicht. Wir genießen erneut den atemberaubenden Ausblick - ein schneebedeckter Gletscher, hohe Berge und das blaue Wasser vom Hardangerfjord. So viel Schönheit, die kaum in Worte fassbar ist. Viele Wanderer ziehen in der Ferne vorbei. Vor allem am Samstag herrschte regelrecht Hochbetrieb. Wir kümmerten uns nicht um die Wanderer, doch es war ziemlich seltsam, als um 18Uhr kein einziger mehr zu sehen war. Zur gleichen Zeit hörten wir einen lauten Knall, der durch die Bergmassive mehrmals wiederhallte. Vielleicht eine Sprengung? Oder ein Begrüßungslaut für irgendeine bekannte Persönlichkeit? Vielleicht hatte es auch mit der WM zu tun? Wir wissen bis heute nicht, was es war und welche Bedeutung dahinter steckte. Auf jeden Fall bekommen wir mit unserem begrenzten Internet kaum etwas mit von dem Weltgeschehen.

Auf den Spuren der Wikinger

Unser Abstieg am nächsten Tag war von äußerst historischem Charakter. Bekannt als der Monk's steps (Mönch's Weg), ging es von 1.000m auf 0m zum Hardangerfjord hinunter. Der Großteil des Weges bestand aus mehreren hundert Schiefernplatten, die als Treppe angelegt wurden. Zum Teil wurden die Wege noch vor der Reformation angelegt. Bauherr waren wahrscheinlich Mönche aus dem Opedal, die sich die mühsame Arbeit mit Bauern geteilt haben. Neben Jägern nutzen auch Wikinger diese Strecke. Eisen musste zu den Wikingerhäuptlingen im Westen gebracht werden, Pferde und Talg aus dem Hardanger nach Osten zu den Silbergruben in Kongsberg. Es war beeindruckt auf solch alten Wegen unterwegs zu sein. Wenn wir uns überlegen, wer diesen Weg schon alles gegangen ist und was für Lebensgeschichten diese Menschen hatten, kommen wir ins Staunen.

Ambitionierter Abstieg

Für unseren Abstieg hatten wir nur 3 Stunden Zeit, da wir den Bus nach Bu bekommen mussten. Es ist nicht wie in Deutschland, wo mind. jede halbe Stunde ein Bus fährt. Der nächste wäre 5 Stunden später gefahren. Daher wanderten wir, ganz anders als gewöhnlich, mit einem ordentlichen Tempo, um pünktlich an der Haltestelle zu sein. Dennoch nahmen wir uns die Zeit uns mit norwegischen Wanderern zu unterhalten und die Aussicht auf Foto und Video festzuhalten. Wir kamen dem Meeresspiegel immer näher. Aber unsere Knie fingen an sich zu beschweren. Auch fing das ermüdete Muskelzittern in den Beinen an. Es war sehr ambitioniert. Aber wir erreichten überpünktlich die Bushaltestelle und zusätzlich hatte der Bus noch Verspätung. Wir waren dankbar (und müde😉), dass es geklappt hat.

Tags: No tags

4 Responses

Add a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked*